Das DGKN-Forschungs-stipendium

Die DGKN vergibt zwei Stipendien bis zu 30.000 Euro für die Förderung junger WissenschaftlerInnen zur Finanzierung von Forschungsaufenthalten von bis zu 6 Monaten in ausländischen Labors.

Die Stipendiaten des DGKN-Forschungspreises

2019: Dr. med. Anna Bonkhoff
Dr. med. Anna Bonkhoff

Intraoperative 3D-Rekonstruktion von Einzelzellentladungen und klinischem Effekt von Makrostimulation bei Tiefer Hirnstimulation durch „OneTrack“

Emory University Clinic, Atlanta, GA

Nach Abschluss meines Medizinstudiums an der RWTH Aachen, des University College Londons und Cambridge University nahm ich Anfang 2018 meine Facharztweiterbildung in der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Uniklinik Köln auf.

Erste wissenschaftliche Erfahrungen im Bildgebungsbereich durfte ich im Rahmen meiner medizinischen Doktorarbeit am Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM3 - Kognitive Neurowissenschaften) des Forschungszentrums Jülich sammeln: In einer funktionellen MRT-Studie untersuchte ich mit Hilfe eines bestimmten visuellen Effekt tiefergreifende Charakteristiken des visuellen Areals V5 im menschlichen Gehirn. Diese Arbeit entstand betreut durch Professor Dr. Eckart Zimmermann und Professor Dr. Gereon Fink, meinem Doktorvater.

Während wir in dieser ersten Studie gesunden Probanden untersuchten, interessierte ich mich zunehmend für die Veränderungen der funktionellen Konnektivität nach akuten zerebralen Läsionen, so wie sie zum Beispiel nach einem akuten Schlaganfall entstehen. Als Mitglied der Arbeitsgruppe „Neuromodulation & Neurorehabilitation“ unter Leitung von Professor Dr. Grefkes hatte ich die Möglichkeit, funktionelle Resting-State-MRT-Daten akuter Schlaganfallpatienten mittels einer innovativen Analysemethode, der „dynamischen Konnektivitätsanalyse“, zu untersuchen. Im Gegensatz zu der herkömmlichen statischen Analyse wird hier die Konnektivität verschiedener Hirnareale nicht über die Dauer des gesamten Scans hinweg bestimmt, sondern jeweils in kürzeren Zeitfenstern berechnet. Auf diese Weise lässt sich nicht nur ein durchschnittlicher Konnektivitätszustand, sondern gleich mehrere, im zeitlichen Ablauf stabile Konnektivitätskonfigurationen ermitteln und letztlich die zeitliche Auflösung erhöhen. Mit Hilfe dieser dynamischen Analyse konnten wir eine signifikante Beeinflussung der zeitlich variierenden Interaktionen einzelner Hirnareale in Abhängigkeit akuter motorischer Defizite eruieren. Zusätzlich zeigte sich ein Zusammenhang der dynamischen Konnektivität mit der langfristigen Erholung nach Schlaganfall. 

Das Reise-Stipendium der DGKN wird mir nun ermöglichen, in der Arbeitsgruppe von Frau Professorin Natalia Rost am J. Philip Kistler Stroke Research Center des Massachusetts General Hospitals die Auswirkung nicht-motorischer Defizite nach Schlaganfall auf die dynamische Konnektivität zu untersuchen. Mit Kollaborationspartnern am Athinoula A. Martinos Center for Biomedical Imaging und dem MIT werden wir darüber hinaus Prädiktionsalgorithmen entwickeln, um basierend auf der Veränderung der statischen und dynamischen Konnektivität sowie den Läsionstopografien individuelle Erholungsverläufe vorherzusagen. Basierend auf den Kölner und Bostoner Arbeiten wird das übergreifende Ziel sein, relevante Bildgebungs-Biomarker für akute ischämische Schlaganfallpatienten zu entwickeln, die Aufschluss geben können über akute Symptome, Erholung und das Ansprechen auf eine spezifische Therapie.